Dienstag, 7. August 2007

Namascara!

Und da melde ich mich mal wieder vom anderen Ende der Welt.

Hauptthema heute: was macht man, wenn nichts mehr trocken wird, selbst die Sandalen anfangen zu schimmeln und man 27 Stunden in einem indischen Bus verbringt, weil es leider kein Boot ist?

Spass bei Seite. Naja ist eigentlich kein Spass sondern traurige Realitaet :( Aber der Reihe nach. Letzten Freitag Abend fuhren Daniel, Nora, Lea und ich nach Hampi. Das ist hier in Karnataka, dem indischen Staat, in dem ich wohne, die Hauptsehenswuerdigkeit und stolze 10 Stunden mit dem Bus weg.

Hampi hiess frueher eigentlich Vijayanagar und war Hauptstadt des gleichnamien Hindureiches. Den Bluetezeit erreicht die Stadt um 1500. Glaubt man Berichten von portugisischen Kaufleuten, sollen damals an die 1 Million Menschen in der Stadt gelebt habe, was sie zu einer, wenn nicht der groessten, Stadt ihrer Zeit machen wuerde. Anfang des 16. Jhd. wurde Vijayanagar von den umliegenden muslimischen Reichen angegriffen und dem Erdboden gleichgemacht. Deshalb ist heute vom urspruenglichen Glanz Vijayanagar kaum noch etwas zu sehen. Was geblieben ist ist eine Flaeche von 26 qkm, auf denen man bis zu 1000 Tempel bzw. deren Uebereste finden kann. Mit der Zeit wurde aus Vijayanagar das kleine Dorf Hampi. Statt mit Juwelen handelt die veramrte Dorfbevoelkerung jetzt mit Obst und Gemuese und versucht die Touristen wo es geht ueber den Tisch zu ziehen. In der Hauptsaison ist Hampi voller Rucksackreisender oder anderer Abenteuerlustiger.


Wo Ort nahmen wir uns erstmal ein Zimmer in einem der unzaehligen "Guest Houses". Am Mittag machten wir uns dann auf um einen ersten Ueberblick zu gewinnen. Hampi liegt direkt am einem Fluss, der von komisch anmutenden Felsformationen umgeben ist. Man kommt sich vor als waere man gerade in einen "Indiana Jones" Film geraten.







Zu erst ging es zum ersten, und auch besterhaltenen Tempel. Das Haupteingangstor besteht aus einem pyramidenfoermigen Turm, der 50 Meter in den Himmel ragt. Im Inneren findet man einen aufwaendig verzierten Rundgang um eine Art Schrein, der von einem Loewen aus Messing bewacht wird. Auch findet man hinter dem Eingangstour eine nette Elefantenkuh, aufwaendig bemalt, die jeden der einen Rupi uebrig hat segnet, in dem sie ihn mit dem Ruessel auf den Kopf kuesst. Fotos waren leider nur erlaubt wenn man sich um 200 Rupies erleichtern wollte. Man naechsten Morgen konnte ich aber versteckt ein paar Fotos machen, waehrend der Elefant gewaschen wurde :)


In unserem Guesthouse lernten wir Sam(einen 19 jaehrigen Briten aus London), Roy (einen 35 jaehrigen Hollaender und Doerthe eine 24 jaehrige Ostfriesin kenne, mit denen wir die naechsten Tage verbrachten.










Am ersten Tag umwanderten wir das ganze Gebiet, was den ganzen tag dauerte. Besonders der Weg am Fluss war aufgrund der Landschaft atemberaubend. Abends kehrten wir in das uns empfohlene Mange-Tree Restaurant ein. Ein wirklich tolles Restaurant mit einer einmaligen Atmosphaere: direkt am Fluss gelegen, geniesst man unter einem riesigen Mangobaum indische Koestlichkeiten, sitzt auf dem Boden auf Matten und isst von niedrigen Tischen. Die einzigen Lichtquellen zu spaeter Stunde sind Oellampen wie aus 1000 und einer Nacht. Leider konnte ich kein Foto machen was dieser Atmosphaere gerecht geworden waere. Am diesem Foto koennt ihr hier allerdings mein Essen siehen: Thalis. Das ist Reis und Puri (Art Fladenbrot) mit diversen Curries und Chutneys. Alles schoen auf einem Banaenblatt serviert. Das beste Essen was ich bis jetzt in Indien hatte.


Die naechsten zwei Tage brachten wir mit weiteren Wanderungen und Besichtigungen zu und besuchten am letzten Tag eine Art Fest im naechstgelegenen Ort. Hoehepunkt des Festes, nach diverse Waschungen und Gesaengen, war das Durchstossen der Backen mit einem Metallspeer. Kandidaten waren hauptsaechlich Moenche. Was es damit auf sich hat, und warum die Backen durchstossen werden, konnten wir auch nach langen Gespraechen mit Einheimischen nicht klaeren. Lag wahrscheinlich daran, dass diese kein oder nur ein paar Worte English sprachen, es aber nicht zu geben wollten.

Dann kam die Rueckfahrt. An sich nichts besonderes. 10 Stunden halt ueber Stock und Stein. Doch es kam anders. Nach dem der Bus um 18:30 (eine Stunde nach planmaessiger Abfahrt) dann endlich abfuhr, furhen wir nur etwa 4 Stunden und erlebten dann eine boese Ueberraschung. Durch die momentan wirklich starken Regenfaelle war die Strasse vor uns unpassierbar. Wir warteten also und verbrachten eine nette Nacht im Bus. Dazu muss man sagen, wir konnten die Fenster nicht aufmachen, weil es draussen schuettete, d.h. die Lust im Bus war die Hoelle. Direkt neben uns war eine Familie mit einm Baby, was permanent schrie. Die Tatsachen, dass ich mit meiner Groesse sowie nicht ausgestreckt in diesem Huehnerkaefig schlafen kann, trug mit dazu bei, dass ich in der Nacht kein Auge zutat. Den ganzen naechsten Morgen verbrachten wir mit warten. Mittlerweile hatte sich einen endlos lange Schlange von weiteren Bussen aber hauptsaechlich LKW gebildet. Das Ergebnis war neben der ueberluteten Strasse auch noch ein Verkehrscaos erster Klasse. Nach zwei weiteren Stunden kam dann endlich mal die Polizei. Nach weiteren 4 Stunden konnten wir dann endlich die ueberflutete Strasse passieren um 3 Kilometer weiter im nachsten ueberdimensionalen Stau zu stehen, dem wir dann nach Eibruch der Dunkelheit entkamen. Auf dem Foto seht ihr einen umgestuerzten Truck, der wohl etwas zu forsch gefahren war.


Das interessante an der Sache war, dass es die Inder (Bussinsassen und Truckfahren) nicht im Geringsten zu stoeren schien. Deutsche neigen ja dazu bei einem Stau agressiv zu werden. Nicht so die Inder. Ganz gelassen wurden in den Regenpausen Tee getrunken, Karten gespielt und getratscht. Ganz besonders lustig finde ich an Indern die Gabe aus allem ein Geschaeft zu machen. Ein indischer Truckfahren hatte Waren (Kekse, Brot usw.) fuer einen Supermarkt geladen. Als er merkte, dass die Leute um ihn herum hungrig wurden, oeffnete er seinen Laster und verkaufte die Gueter zu astronomischen Preisen. Je weniger es wurde, desto hoeher wurde der Preis. ier konnte man wirtschaftliche Theorie live erleben. Auf dem Weg nach Hause sahen wir dann die Ausmasse der Regenfaelle: viele Ortschaften standen einen oder mehrere Meter hoch unter Wasser. Zum Glueck Kundapur nicht.Als wir endlich zu Hause ankamen machte ich drei Kreuze, nach 27 Stunden Bus.

Heute und morgen habe ich schulfrei, weil es zwei Tage lang Pruefungen gibt. Mein indien Aufenthalt neigt sich auch schon langsam dem Ende entgegen, am 24. August werde ich schon wieder in Deutschland sein. Aus meinen urspruenglichen 3 Monaten wurden so nur knapp 2, weil mein Studium jetzt schon am 2. September losgeht. Wer es noch nicht weiss, ich werde dann an der WHU, die mich ueberrashcender Weise genommen hat, in Vallendar studieren, wo mein lieber Vater mir auch schon eine Wohnung gesucht und gefunden hat.

Werde vor meiner Rueckkehr aber auf jeden Fall nochmal posten.

Gruesse von weiter weg

euer Felix

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Felix,
klingt ja hochinteressant und sehr abenteuerlich, was Du da alles erlebst.
Genieße noch den Rest der Reise! Sowas macht man nur einmal im Leben,
entweder nach dem Abitur oder gar nicht mehr.
Halt` die Ohren steif!Solange die Ratten noch da sind, bist Du noch nicht auf einem sinkenden Schiff...
Liebe Grüße Sissi

Claudi hat gesagt…

Mensch Felix,
was für Abenteuer du da erlebst!
Ich wünsche dir noch weiterhin viel Spaß - ist ja nicht mehr ganz so lange...
Herzlichen Glückwunsch übrigens zum Studienplatz (warum fangt ihr denn schon im September an?)
Liebe Grüße
Claudi